Nicht denken – nur stricken
Vor kurzem habe ich mich mit meiner Podcast-Kollegin Claudia unterhalten und wir haben uns gegenseitig ein wenig angejammert, weil etwas nicht so funktioniert hat, wie wir uns das vorgestellt haben. Im Zuge dieses Gespräches fiel mir eine Analogie zum Stricken ein. Ich denke zu viel.
Es gibt eine Strickdesignerin, bei deren Anleitungen ich mir beim Lesen immer wieder denke: Das kann nicht klappen. So, wie die Anleitung geschrieben ist, wird daraus niemals eine Haube, ein Schal oder was auch immer es für eine Anleitung ist. Wenn ich das in meiner Strickgruppe angesprochen habe, kam dann immer der Rat: Nicht denken, stricken. Masche für Masche der Anleitung folgen, brauchte mich dann doch immer wieder zu einem Ergebnis.
Und diese Analogie passt gut zu der Situation, die Claudia und ich besprochen haben: Nicht sich über Dinge, die als ungerecht empfunden werden aufregen, sondern die Dinge tun, die wir unter Kontrolle haben. Die kleinen Schritte wie einen Blogartikel schreiben, einen potenziellen Kunden anschreiben – sie sind wie einzelne Maschen, die ich abstricken kann. Mich darüber zu ärgern, dass Weiterbildungsbudgets gekürzt werden, bringt mich nicht weiter, weil ich ohnehin keinen Einfluss darauf habe. Aber ich kann Menschen, die mich und mein Angebot noch nicht kennen schreiben uns sie aufmerksam machen. Wir können weiter Podcast Folgen produzieren, die Menschen gerne hören und ihnen weiterhelfen.
Kleine Schritte sind schaffbar
Wir leben in einer Zeit mit gefühlt permanenten Krisen – eine Schreckensmeldung jagt die andere. Das kann schon überwältigend sein und ein Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderungen macht sich breit. Und ja, wir können als einzelner Mensch nicht einen Krieg beenden oder die Klimakrise stoppen. Aber wir können trotzdem im Rahmen unserer Möglichkeiten sinnvoll gegensteuern. Und wenn viele ihre kleinen Schritte setzen, ergibt sich daraus ein großes Ganzes, dass sehr wohl Auswirkungen hat. Also statt mich zu verzetteln im Philosophieren über die Unmöglichkeit der großen Probleme, kann ich mich auf die kleinen machbaren Schritte konzentrieren. Und damit wieder Boden unter den Füßen gewinnen.
Darum: Eine Masche nach der anderen stricken. Mit Geduld wird daraus dann eine Haube, ein Schal, ein Pullover. Und das gilt nicht nur für Strickstücke, sondern für so ziemlich alles. Es sind immer die kleinen Schritte, die in Summe eine große Veränderung ausmachen.
Daran muss ich mich zwar selbst immer wieder erinnern, aber das Bild des Strickens, macht es für mich leichter.
Schreibimpuls:
Welches Thema erscheint dir gerade zu groß, als dass du es bewältigen könntest?
In welche kleinen machbaren Schritte kannst du das Thema zerlegen?
Welchen davon kannst du heute noch umsetzen?


