Ich kann vom Podcast nicht leben
Ich stecke in einem Dilemma und das schon seit längerem. Wie viele andere Coaches und Trainer:innen bin ich vor vielen Jahren aufgestiegen auf den Zug, der sagt: Gib potenziellen Kunden kostenlosen Content, damit sie sich risikofrei kennenlernen und ein Gefühl dafür bekommen, wie es wäre mit dir zu arbeiten. Ich habe dieses Konzept lange für stilvoll gehalten, doch jetzt kommen mir Zweifel.
Angesichts teils extrem, hoher Berater- und Trainerhonorare ist das Konzept schon verständlich, dass potenzielle Kunden vorher überprüfen wollen, ob der/die Trainer:in/ Coach, die richtige ist. Da ich gerne mit Menschen arbeite und unterrichte, habe ich diese Kostproben gerne hergegeben. Doch dieses Konzept gerät für mich aus zwei Gründen zunehmend in Schieflage, und das sehe ich auch beim Podcast.
Einerseits ist die Erwartungshaltung von immer mehr Menschen, Informationen kostenlos zu bekommen. Die Zahl der Personen, die kostenlose Frebbies und Webinare konsumieren, dann jedoch keine weiteren Seminare oder Coachings buchen wird immer höher. Denn das ist es ihnen dann doch nicht wert. Wobei ich das sogar verstehen kann, angesichts aus dem Boden schießender Masterclasses, die tausende Euros kosten, deren Nützlichkeit jedoch in keinerlei Verhältnis zum Preis steht.
Der 2.Grund, warum das Konzept nicht mehr für mich passt, ist dass ich nicht weiter bereit bin mit dem über Jahre aufgebauten Wissen KI zu füttern. Die dann daraus einen Einheitsbrei produziert, der vielleicht oberflächlich gut klingt, jedoch keinen Nutzen hat.
Ich frage mich, wo haben wir die Abzweigung verpasst und warum ist es für uns okay für das x.te Paar Sneakers 100 € zu zahlen, aber nicht für ein Coaching oder einen Workshop, in dem wir etwas neues Lernen oder uns weiterentwickeln können.
Du merkst schon, ich bin frustriert.
Ja bin ich wirklich.
Wenn ich mir ansehe wir hoch unsere Zuhörerzahlen beim Podcast sind – wir sind bei knapp 50.000 Abrufen – macht mich das stolz und glücklich. Der Zuspruch unserer Fans ist enorm und motiviert. Gleichzeitig ist es ernüchternd, dass ich ausgeschriebene Workshops absagen muss, weil ich keine Anmeldungen dafür habe.
Ich weiß leider, es geht nicht nur mir so. Immer mehr Trainer:inne, Coaches, Texter:innen, Grafiker:innen oder Illustrator:innen wissen nicht, wie sie die nächste Miete zahlen sollen, weil sie keine Aufträge mehr haben. Ein lieber Kollege, der ebenfalls einen Podcast zum Thema Männergesundheit betreibt, hat letztens ein sehr offenes Posting geschrieben. Er wir den Podcast nicht weiterführen können, weil er damit nichts verdient, aber viel Zeit und auch Geld investiert. Er kämpft, ähnlich wie ich. Er hat viel Herzblut und Zeit in den Podcast gesteckt, aber trotzdem keine Aufträge. Auch ich wurde letztens überrascht angesehen, als ich sagte, dass wir am Podcast nichts verdienen. Die Sponsoring Einnahmen, die wir in den ersten drei Staffeln hatten, haben gerade mal die Kosten für Hosting gedeckt. Aber in kleinster Weise unsere Arbeit bezahlt.
Darum versuchen wir jetzt Abonnenten für unseren Podcast zu gewinnen. Die uns mit einem kleinen Beitrag unterstützen, damit diese wunderschöne Arbeit doch auch ein wenig zu unserem Einkommen beiträgt.
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