Bleibt kreativ!
Letztes Wochenende war ich beim Sketchnotes Barcamp in Göttingen. Ein Haufen bunter kreativer Menschen in der Halle eines Logistikunternehmens und ein Dino-Experte. Es war eine unglaublich spannende Erfahrung zu einem Zeitpunkt, wo viele Kreative ums Überleben kämpfen. Werden die Kreative aussterben wie damals die Dinos?
Es ist schon ein wenig absurd: In Unternehmen werden händeringend kreative Menschen gesucht. Leute, die out of the box denken, Lösungen für komplexe Themen finden. Und gleichzeitig wird genau diesen Menschen die Lebensgrundlage genommen. Ich beobachte in meinem Umfeld, dass aus Grafiker:innen, Texter:innen, Fotograf:innen, Sketchnoter:innen besteht, dass die meisten kämpfen: Um Aufträge. Immer mehr Unternehmen setzen auf Systeme wie Canva, die mit Vorlagen die Arbeit von Grafiker:innen und Fotograf:innen ersetzen. Oder auf KI generierte Texte und damit Texter:innen und Redakteur:innen arbeitslos machen. Klar solche Systeme sind schnell und günstiger als Expert:innen. Aber warum ist Schnelligkeit und Kostenreduktion mittlerweile das scheinbar einzige und wichtigste Kriterium?
Social Media killt Kreativität
In den letzten Wochen beobachte ich zunehmend bei mir einen immer größer werdenden Widerstand gegen Social Media. Der Druck ständig neuen Content zu generieren, um den Algorithmus zu bedienen, kostet mich viel Energie. Und wenn dieser erstellte Content dann noch nicht einmal ausgespielt wird, weil ich in den Augen der Social Media Plattform zu wenig produziere, verpufft meine Arbeit. Meta empfiehlt mittlerweile 5 Postings pro Woche, natürlich eine Mischung aus Reels und Beiträge, nicht zu vergessen die Stories! Gerade in den letzten Wochen habe ich von mehreren Selbständigen gehört, die weit größere Followerzahlen haben als ich, dass sie merken, dass ihr Content nicht ausgespielt wird. Und wenn ich dann lese, dass Meta 8000 Mitarbeiter gekündigt hat, um das Geld statt in Mitarbeiter in die Weiterentwicklung von KI Tools zu investieren, wird mir ehrlich gesagt übel. Noch dazu, wenn das Material, dass wir produzieren, dann von Meta für das Training der hausinternen KI verwendet wird, damit diese daraus weiter lustig Content produziert.
Denn anscheinend ist die Qualität des Inhaltes ohnehin egal, Hauptsache die User bleiben vor den Bildschirmen und scrollen immer weiter. Die Zahl der Social Media Abhängigen steigt weiter und kein Ende ist in Sicht.
Back to the Roots
Unter diesem Motto stand das Sketchnotes Barcamp. Die Organisatorin Tanja Wehr, mit der es übrigens in unserem Podcast Tinte & Courage eine Folge gibt, hat das Motto gewählt, um uns daran zu erinnern, dass wir Menschen schon seit Urzeiten den kreativen Ausdruck nutzen. Man denke an Höhlenmalerei und Verzierungen an Gewändern. Daher war es nicht zufällig, dass sie als Dinosaurier-Fan einen Dino zum Motiv des Barcamps machte. Und Raimund Frey als Dino-Experte eine Keynote hielt. Er fertigt unglaublich beindruckende Zeichnungen von Dinos an und hat dabei den Anspruch auf dem letzten Stand der Wissenschaft diese ausgestorbene Spezies zu zeichnen. Sein Vortrag hat mich tief beeindruckt und auch Mut gemacht. Denn er hat sich mit einem Thema aus purer Neugier eine Expertise aufgebaut und damit auch ein Business. In einem Bereich, der langläufig nicht als das klassische Thema für eine Selbstständigkeit gilt. Er ist Illustrator und seine Zeichnungen werden von einem großen Verlag für Kinderbücher, aber auch Spiele verwendet. Seine unzähligen Kinderbücher sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und immer korrekt, sprich am letzten Stand der Wissenschaft.
Community Love
Ganz nebenbei habe ich an diesem Wochenende noch etwas erfahren: Die unglaubliche Kraft einer Community. Frauen, die ich bisher nur über Zoom kannte, weil sie hunderte Kilometer entfernt wohnen, habe ich in Göttingen erstmal live getroffen. Die herzlichen Begrüßungen und Umarmungen waren berührend. Denn wir Menschen sind Herdentiere, wir sind nicht dafür geschffen sind alleine zu leben und zu arbeiten. Wir brauchen den Austausch miteinander, denn dabei passiert so unglaublich viel Inspiration, Bestärkung und auch Kraft. So habe ich am Barcamp das erste Mal ein Perlenarmband geknüpft. Es war so unglaublich entspannend, die Perlen aufzufädeln und nebenbei mit den anderen zu plaudern. Das Band mit den bunten Perlen erinnert mich nun jeden Tag daran, meine Kreativität auszuleben. Im Schreiben, zeichnen, stricken, beim Kochen und bei der Gestaltung meines Gartens.
Ich lasse mich nicht ausbrennen
Im Nachgang dieses Wochenendes habe ich viel geschrieben und nachgedacht. Und einige Entscheidungen getroffen: Eine davon ist, dass ich weniger auf Social Media präsent sein werde. Es ist riskant, da ich damit noch weniger sichtbar bin. Aber ich werde mich nicht ausbrennen in der Produktion von Content, für Plattformen, deren Algorithmus meine Inhalte dann ohnehin nicht an meine Zielgruppe ausspielt.
Ich werde stattdessen meine Blogartikel regelmäßiger schreiben, meinen Newsletter öfter verschicken und weiter unseren Podcast produzieren. Diese Dinge kann ich beeinflussen, da sie größtenteils (außer des Podcast) auf unseren Websites passieren. Ich freue mich daher, wenn du meinen Newsletter abonnierst und du auf diesem Wege von mir erfährst, was ich so tue und was ich anbiete.
In diesem Sinne wünsche ich dir einen wundervollen Sommer – im Garten, im Urlaub, in der freien Natur. Male, zeichne, stricke, klöpple, schreibe – probiere dich aus und entdecke deine Kreativität! Das wünsche ich dir von ganzem Herzen!
Schreibinspiration:
Wo und wie kann du deine Kreativität noch mehr ausleben?



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